Hätte der kleine Prinz doch nur Instagram…

Hätte der kleine Prinz doch nur Instagram…

Mirjam Santaguida liebt die Geschichte des kleinen Prinzen. Und im Beruf verfolgt sie das gleiche Ziel wie der kleine Prinz: Sie will Menschen zusammenbringen. Durch gemeinsame Erinnerungen.

Im St. Galler Stadtbus morgens um halb acht: Die Pendler sind ins Smartphone vertieft. Unter ihnen sitzt Texterin und Werbeberaterin Mirjam Santaguida. Sie hört Musik und schaut sich Bilder auf Instagram an. Instagram ist für sie sehr wichtig geworden, weil sie Bilder, Melodien und gute Stories inspirieren. Wie damals die Geschichte, die einst Antoine de Saint-Exupéry schrieb – der kleine Prinz. Sie hat das Buch wohl hundertmal gelesen. Heute weiss sie, was der Autor ihr mit der Geschichte erzählen wollte: Pflege deine Kontakte mit gemeinsamen Erinnerungen – mit Stories. Das ist ein guter Rat – gerade auch für eine Texterin und Werbeberaterin.

Heutzutage teilt man Stories über Social Media. Aber: «Viele Unternehmen zögern noch immer, weil sie nicht recht wissen, wie und was sie twittern oder posten sollen», sagt Mirjam Santaguida. «Dabei verlieren die klassischen Werbekanäle von Jahr zu Jahr immer mehr an Wirkung», ergänzt Mirjam. «Followen» ist die neue Kundenbindung. Und Follower, bestenfalls Influencer, findet man online. Mirjams Ziel ist klar: Ihre Kunden müssen mehr Erlebnisse – mehr Geschichten – erzählen. Das bereichert ihre Arbeit als Texterin, stellt sie aber als Beraterin vor neue Herausforderungen.

Keine Zeit fürs Treffen? Schick deine Story online

Welches Unternehmen hat schon Zeit, sich ständig mit ihren Kunden zu treffen? Sich über neue Bedürfnisse auszutauschen? Das geht leider nicht. Ein Geschäftstermin jagt den nächsten. Aber das Teilen von Stories ist für die Bindung nötig. Das hat auch Saint-Exupéry Mirjam Santaguida ans Herz gelegt. Damals.

Und heute? «Wir müssen die Marke ausserhalb der klassischen Kanäle positionieren. Dort, wo die Influencer sind», argumentiert sie. Und: «Wenn wir die Erinnerungen schon nicht persönlich austauschen können, schicken wir unsere Erinnerungen halt online – an unsere Freunde, Interessenten und auch an unsere Kunden!»

Ein wichtiges Storytelling-Instrument ist neben guten Texten, das Bild und das Bewegtbild. Dazu zählen Video-Clips, die Mirjam Santaguida im Studiengang CAS Digital Publisher gelernt hat zu konzipieren, zu drehen und zu schneiden. Und seit einem Jahr hat das Drehen von gut erzählten Video-Clips noch mehr an Bedeutung gewonnen. Der Grund: Instagram Stories. Dabei handelt es sich um die neueste und weltweit bald grösste Plattform ausschliesslich fürs digitale Storytelling. Alleine in Deutschland haben sich in einem Jahr über 15 Millionen Unternehmen einen Instagram-Stories-Kanal eröffnet.

Choreografie im Leben eines ehemaligen Bankers

Choreografie im Leben eines ehemaligen Bankers

Er will nicht mehr im Finanzwesen arbeiten, er will Tänzer filmen. Hadrien Jean-Richard. Er wagt einen aussergewöhnlichen Karrierewechsel vom Banker zum Social Media Producer. Und entdeckt so eine vergessene Leidenschaft wieder.

Halb zwei Uhr morgens. Das Zürcher Seefeld-Quartier war dunkel. Nur aus Hadrien Jean-Richards Wohnung leuchtete ein Licht. Er hatte Ferien und war online. Hadrien informierte sich auf Bildungsportalen und schaute auf YouTube Videos an – Tanzvideos. Um vier Uhr stiess er auf die Website der Schweizerischen Text Akademie und fing an, Pläne zu schmieden.

Hadrien wollte seinen Beruf wechseln. Aber wie stellte er das am besten an? Eine Weiterbildung absolvieren? Am besten eine, die ihn auf ein komplett anderes Berufsleben vorbereitet: Also startete der ehemalige Sales Manager einer Grossbank seinen Karriere-Weg zum MAS in Corporate Writing & Publishing und zum selbstständigen Fotografen und Video-Produzenten. Beides an der Schweizerischen Text Akademie. Hadrien: «Während der Weiterbildung im CAS Digital Publisher wurde mir bewusst, wie sehr ich es mag, Inhalte zu filmen und zu schreiben. Mein Berufsziel hiess fortan Content Manager, Fotograf und Video-Produzent», erzählt er.

Langfristig binden

Dann lernte Hadrien in einem Fotografie-Seminar in Paris, dass er seine Kreativität an eine langfristige Leidenschaft binden solle! Das hat er auch getan. So ist die vergangene Vorliebe für Breakdance zu einer neu entdeckten Berufsperspektive geworden. Denn er will sich neben seinem Beruf als Content Manager auch als Fotograf auf Tanzanlässe spezialisieren. Aber nicht nur. Denn schon heute übernimmt er Film- und Editing-Projekte für ein Schweizer Orchester. «Es ist fantastisch, meinen Tag dem zu widmen, was mir so viel Freude macht», schwärmt Jean-Richard.

Breakdance hat er also zu seinem kreativen Pol gemacht. Hadrien schleift an Breakdance-Battles an seinem Talent fürs Filmen und Fotografieren. Von nun an schaut er ein Breakdance-Video auf YouTube mit anderen Augen an: Aus welcher Perspektive hat wohl der Kameramann gefilmt? Wie haben die Veranstalter die Tanzfläche ausgeleuchtet? Oder in welchem Takt ist das Video geschnitten? Hadrien weiss nun, wie viel Arbeit in einem Breakdance-Video steckt, wenn er um vier Uhr morgens mit Schneiden seines neusten Breakdance-Videos beginnt.

Executive Dominik Allemann: «Der Wert der Influencer auf Instagram sinkt»

Stundenlang durchforsten wir Bilder auf Instagram: Bilder von Freunden, Fotografen und bekannten Stars. Die Wirkung schöner Bilder haben auch Unternehmen für sich entdeckt und setzen gezielt Influencer ein, um ihre Markenbotschaften zu streuen. Dominik Allemann, Co-Inhaber und Co-Leiter von Bernet PR, warnt allerdings. Denn der Einfluss von Influencern in den Social Media sinkt. Im Interview erzählt er, was Unternehmen deshalb beachten müssen.

 

www.textakademie.ch

www.bernetpr.ch

Der Schutz unseres Landes liegt in ihren Händen

Der Schutz unseres Landes liegt in ihren Händen

Jede Marke braucht ihren Schutz – auch unser Land. Barbara Mögli schreibt für den Schutz der Marke «Schweiz». Ihre Arbeit fordert enormes Fingerspitzengefühl; und offenbart ihr unbekannte Wünsche.

«Der Schutz unseres Landes liegt in ihren Händen!» Das klingt dramatisch, aber es stimmt – bei genauer Betrachtung. Denn: Barbara Mögli arbeitet als Kommunikationsfachfrau im Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum (IGE) in Bern. Ihre Arbeit umfasst nicht nur die Marke «Schweiz». Das IGE ist die zentrale Anlaufstelle des Bundes für alle Fragen zu Patenten, Marken, Herkunftsangaben, Designschutz und Urheberrecht. Kurz: Barbara Möglis Arbeit dient dem Wohle der Idee. Damit jeder wertvolle Gedanke auch seinen Wert behält.

Ein Sprachprofi im Institut

Welche Idee muss Barbara Mögli momentan besonders gut schützen? Die «Swissness». Das ist eine Gesetzesvorlage zum besseren Schutz der Marke «Schweiz» gegen Trittbrettfahrer und Markenmissbrauch. Der Begriff «Gesetzesvorlage» verdeutlicht, dass ihre Texte eindeutig und klar formuliert sein müssen: «Ich achte sehr darauf, nicht floskelhaft zu schreiben, und nicht zu viele Fachbegriffe zu verwenden», erzählt die Schreibwerkstatt-Absolventin. Sie hat das nötige Fingerspitzengefühl fürs Schreiben gelernt; ihre Fähigkeit als Corporate Writer steht demnach ausser Frage. Aber sie musste ihr sprachliches Können vor wenigen Monaten unter Beweis stellen.

Junge Piraten und unbekannte Wünsche

Hörtexte waren bis vor Kurzem noch Neuland für Barbara Mögli. Sie stand vor einer schwierigen Aufgabe: Wie schreibt sie einen glaubwürdigen Dialog für ein Hörspiel? Das Hörspiel handelt vom Alltag einer gewöhnlichen Familie und will Jugendliche im Rahmen einer Sonderausstellung zu den Themen Markenfälschung und Markenpiraterie sensibilisieren. Das Schwierige an dieser Aufgabe: Barbara Mögli muss die Meinungen mehrerer Menschen in einem Dialog verdichten. Das ist nicht einfach! Beinahe schon wie ein Schachspiel gegen sich selbst. Aber ein Profi weiss sich zu helfen: «Ich habe das Hörspiel in meiner Muttersprache Berndeutsch geschrieben. Nur so gelang es mir, ein authentisches Gesprächs-Ping-Pong zu inszenieren: schnelle Antworten, stimmige Widerreden, witzige Pointen.»

Das Hörspiel ist für sie eine Herausforderung gewesen. Nun aber wünscht sie sich noch mehr davon. Mehr Hörtexte, die im Tonstudio von Profi-Sprechern zum Leben erweckt werden. Ihr gefällt am Hörtextschreiben das rasche Denken, das Vorbereiten der Pointen im Kopf. Wer weiss: Vielleicht hören wir bald ein Hörspiel, in dem es um den Markenschutz unserer Nation geht. Geschrieben und inszeniert von Barbara Mögli.

Schweizerische Text Akademie. Porträt: Ralph Kohler, 8. April 2016

Portrait: Die Gesichter des Betriebs

Portrait: Die Gesichter des Betriebs

Sie hört ihren Kolleginnen und Kollegen bei der Arbeit gerne zu und schreibt mit. Als Corporate Writerin erzählt Nathalie Zulauf teils unausgesprochene Geschichten. Und verleiht dem Betrieb ein Gesicht.

Das GA liegt auf der Ablage im Zugsabteil; so muss sie der Kondukteur beim Lesen nicht stören. In Nathalie Zulaufs Ohren stecken Kopfhörer, die Beine hat sie übereinandergeschlagen. Auf ihrem Schoss liegt ein aufgeklapptes Buch. «40 Rosen» von Thomas Hürlimann. Sie mag diese Geschichte. Sie handelt von einer junge Frau, die eine begabte Pianistin wäre, aber jemand anders sein will: nämlich die Ehefrau eines Politikers.

Dieser Roman zeigt, welche inneren Konflikte die Menschen austragen müssen und was sie sich wünschen. Solche Storys machen nicht nur Nathalie Zulaufs tägliche 40-minütige Zugreise interessant. Sie bieten ihr auch Inspiration für ihre Arbeit am Mitarbeitermagazin. Sie ist Communication Manager und leitet die Produktion des Magazins. In ihrem Job schreibt sie täglich – Portraits, Berichte, Interviews. Hauptsächlich über ihre Kolleginnen und Kollegen: «Ich liebe es, über Menschen zu schreiben. Unsere eigenen Geschichten zeigen uns, wer wir wirklich sind», schwärmt sie.

Was den Chef beschäftigt

Wie verbringt der Werkleiter seine Freizeit? Oder mit welchen Problemen sieht sich der Abteilungsleiter der Buchhaltung konfrontiert? Nathalie verleiht dem Unternehmen eine menschliche Seite, zeigt Nähe und macht die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Grosskonzerns gegenseitig bekannt. Sie erzählt einzigartige Geschichten, die die Menschen und letztlich auch den gesamten Betrieb ausmachen. Denn ohne Geschichten über die Menschen, die das Unternehmen prägen, ist der Betrieb doch nur ein leeres Gebäude.

Zuhören muss gelernt sein

Seit zwei Jahren arbeitet Nathalie Zulauf nun für das Mitarbeitermagazin. Angefangen hat sie als Praktikantin, dann wurde sie Assistentin der Kommunikationschefin und nun ist sie Communications Managerin. Eine ihrer vielen Aufgaben ist die Überwachung der Produktion des Magazins. Ihrem Blick entgeht nichts, sie weiss, was sie will und was zu tun ist. Diese Beharrlichkeit hat sie sich erarbeitet – im Studium, im Ausland, in ihrer 15-jährigen Berufserfahrung. Diese Zeit hat Nathalie Zulauf weiterentwickelt, sie das nötige Feingefühl gelehrt. Denn so beharrlich, wie sie heute in ihrem Job als Projektleiterin ist, so einfühlsam schreibt sie über die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Was wird Nathalie Zulauf wohl in fünf Jahren machen? «Das sehe ich dann in fünf Jahren», lächelt sie. Vielleicht wird sie sich als Absolventin des Studiengangs CAS Corporate Writer in Zukunft redaktionell mehr beim Mitarbeitermagazin einbringen – mit Reportagen oder Kolumnen. Wer weiss. Sie geniesst jedenfalls die Kreativität, die ihr jetziger Job bringt. Und sie schätzt dessen Routine, der sie so beharrlich folgt. Deshalb freut sie sich jeden Morgen auf die 40-Minuten-Zugfahrt mit Büchern und Geschichten.