Das verräterische „Ich“

Das verräterische „Ich“

Eine aktuelle Studie der Universität Arizona belegt: Wer häufig in der 1. Person schreibt – also allzu oft «ich, mich, meine usw.» verwendet – verrät eine Neigung zu Depressionen und negativen Emotionen. Näheres unter https://goo.gl/3dSvpq. Wir raten daher, in E-Mails, Bewerbungsschreiben oder Präsentationen die 1. Person nur mit Bedacht zu wählen.

Einmal mehr zeigt sich damit, dass unsere Sprache Ungeahntes über uns verrät. Genau deshalb steht in unserem Professional Writing Workshop (Schreibwerkstatt) die Wirkung von Sprache im Mittelpunkt. Das Gelernte lässt sich nicht nur direkt im beruflichen Schreiben, sondern ebenso in eigener Sache – etwa beim heute unerlässlichen Personal Branding – einsetzen.

Executive Nicole Hess: Wer texten kann, plant besser

Der «rote Faden» führt nicht nur die Leser durch eine Text, er zieht sich auch durch die Arbeitsplanung von Kommunikationsleiterin Nicole Hess. In der Weiterbildung zum MAS in Corporate Writing & Publishing hat sie gelernt, zielsicher zu schreiben. Aber nicht nur: Die Weiterbildung habe ihre Art zu denken geprägt.

Laufbahnberatung gegen Arbeitslosigkeit

Laufbahnberatung gegen Arbeitslosigkeit

Ist eine Berufskarriere heute noch planbar? Sicher ist: Heute sind wir alle von Jobverlust und Arbeitslosigkeit bedroht. Ein sicheres Mittel dagegen ist eine professionelle Laufbahnberatung. Die Stiftung Text Akademie bietet allen Studentinnen und Studenten eine umfassende Beratung beim bekannten Laufbahncoach Daniel Sager. Die Akademie übernimmt die Kosten!

Text Akademie: Daniel Sager, weshalb ist eine Laufbahnberatung heute das Wichtigste im Arbeitsleben?

Daniel Sager: Nur wenn wir genau wissen, wo unsere Stärken und Schwächen liegen, können wir auf den stetigen Wandel der Wirtschaft rasch und richtig reagieren. Diese Wandlungsfähigkeit ist heutzutage eine entscheidende Kompetenz.

Die meisten von uns investieren viel Zeit in die Planung unserer Ferien und unserer Hobbies. Aber es fällt uns schwer, unser Berufsleben zu planen. Wieso kontaktieren wir nicht periodisch einen Laufbahncoach für eine Standortbestimmung? Dort konfrontieren wir uns mit folgenden drei Fragen:

«Ist es Zeit für einen Schritt nach oben?»,
«Ist es Zeit für eine Anpassung meines Arbeitsstils?» oder
«Ist es Zeit zu gehen?».

Text Akademie: Was ist der häufigste Fehler, den Berufstätige bei der Neuorientierung machen?

Daniel Sager: Viele Berufstätige sind ungeduldig und nehmen gerne Abkürzungen. So versuchen sie, einige Phasen bei der beruflichen Neuorientierung zu überspringen. Das funktioniert jedoch nicht. Als Konsequenz von solchen vermeintlichen Abkürzungen sind die Ergebnisse unbefriedigend. Sprich: Das Resultat ist bloss die nächste berufliche Warteschleife.

Text Akademie: Welche Tipps geben Sie Ihren Mandantinnen und Mandanten, was das Wording im Lebenslauf anbelangt?

Daniel Sager: Der Lebenslauf beinhaltet Zahlen, Daten und Fakten zum Werdegang einer Person. Er bildet bis heute das Herzstück einer Bewerbung. Denn diesem Dokument schreiben die Personalverantwortlichen den grössten Wahrheitsgehalt in den Bewerbungsunterlagen zu. Viele Bewerberinnen und Bewerber verwenden einen generischen, das heisst einen allgemeingültigen Lebenslauf, den sie jeder Bewerbung beilegen können – das spart Zeit, hat aber wenig Wirkung.

Ich empfehle, den Lebenslauf mit individualisierten Textabschnitten auszustatten. Also Texte, die speziell für das entsprechende Stellenangebot neu verfasst werden. Damit meine ich konkret je einen Abschnitt zu folgenden zwei Themen: «Kurzprofil» und «Zielvorstellung».

In einem Kurzprofil fasst man seine relevanten Berufserfahrungen zusammen, perfekt auf die neue Stelle bezogen. Und in der Zielvorstellung definiert man in maximal drei Sätzen, was man von der angestrebten zukünftigen Stelle in seinem Wunschunternehmen erwartet.

Diese zwei aussagekräftigen Abschnitte «Kurzprofil» und «Zielvorstellung» wirken wie eine Art Versprechen als Blickfang oder Teaser für den 30-Sekunden-Leser.

Text Akademie: Sie führen mit allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Professional Writing Workshop in Luzern ein persönliches Standortgespräch, das rund einen halben Tag dauert. Wie gehen Sie dabei vor?

Daniel Sager: In einem Standortgespräch visualisieren wir zuerst das aktuelle persönliche «Geschäftsmodell». Geschäftsmodell heisst in diesem Fall, die geplante Vorgehensweise, um eine sichere und erfüllende Tätigkeit zu behalten oder neu zu finden.

Dann analysieren wir, wo die Schwierigkeiten und Entwicklungspotenziale sind. Anschliessend besprechen wir mögliche Massnahmen. Nach dem Gespräch wird in Eigenarbeit detailliert eine persönliche Strategie entwickelt.

Text Akademie: Warum ist Storytelling in heutigen Bewerbungen wichtig?

Daniel Sager: Viele Berufstätige scheitern daran, die Macht von Storytelling in eigener Sache zu nutzen. Das heisst: Wenn wir eine Story schreiben, dann schreiben wir sie oft schlecht. Die meisten Zuhörer steigen sofort aus, wenn jemand seinen Werdegang miserabel erzählt – womöglich nur eine Liste von Firmen und Tätigkeiten aufzählt.

Vielmehr möchten wir doch alle hören, dass sich das Leben wie eine gute Geschichte ganz natürlich entfaltet.

Text Akademie: Was ist ein «Cappuccino Worker»?

Daniel Sager: Das Arbeitsmodell «Cappuccino Worker» passt für eine zunehmende Zahl von Berufstätigen. Weil es keine sicheren Jobs mehr gibt, denken viele Erwerbstätige über Alternativen nach.

Mit einem Job-Mix kann man die Abhängigkeit von einem einzigen Arbeitgeber reduzieren und die Lebensqualität steigern. Cappuccino Worker haben verschiedene Jobs bei verschiedenen Auftraggebern. Für eine Texterin bleibt z.B. neben einer Teilzeitstelle Zeit für die Organisation von Kunst-Events und für die Betreuung einer Kunstsammlung.

Wer sich seine Aufgaben selbst organisiert, braucht viel Zeit zum beruflichen Netzwerken, denn oft werden Aufträge über den informellen Weg vergeben. Letztlich muss sich ein Cappuccino Worker sehr gut organisieren. Gerade auch für seine Familie und für die Freizeit.

www.danielsager.ch

Kreativität braucht Freiraum

Kreativität braucht Freiraum

«Es könnte gut sein, dass das Schreiben die eigentliche Ausdrucksform meiner Kreativität ist», sagt Yanne Balzer. So genau lässt sich das gar nicht sagen, denn eine Reduktion auf das Schreiben würde ihr bei Weitem nicht gerecht.

Selbst die Auswahl ihrer Reiseziele ist für Yanne Balzer ein künstlerischer, fast schon mystischer Akt. Aus einer Sammlung von Gehörtem und Gesehenem leitet sie ihre Ziele ab, um sich dann wiederum fotografisch auszudrücken. Die Künste begleiten die Schreibwerkstatt-Absolventin schon ihr ganzes Leben. Sei es am Theater, in grafischen Werkstätten, in einer Kunstgalerie oder in der Musik-, Event- und Medienbranche. Sie traf auf Persönlichkeiten wie Snoop Dogg oder den legendären Paul Bowles, mit dem sie eine wundervolle Zeit verbringen durfte. Als Tour-Managerin war sie mitverantwortlich für den Durchbruch von Künstlern wie zum Beispiel Coldplay.

Von der Notlösung zum Kult

Besonders prägend waren für Yanne Balzer jedoch die Gründerjahre beim VIVA-Musikfernsehen. «Völlig ins kalte Wasser geschmissen, fabrizierten wir so hübsche kleine Kurzfilme», erzählt sie. Das Ziel war allen klar, doch der Weg war jedem selber überlassen. Es gab wenig Hierarchie, dafür umso mehr Energie. Nur so konnten sich Dinge, die eigentlich aus der Not geboren wurden, zum regelrechten Kult entwickeln. Zum Beispiel die verfärbte Wackelkamera. Diese freie Art zu denken und zu arbeiten konnte sich die Kölnerin bewahren.

Heute ist Yanne Balzer Leiterin der Fachstelle Lehre an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). In ihrer dortigen Schnittstellenfunktion zwischen fünf verschiedenen Departementen und Kulturen widerspiegeln sich all ihre bisherigen Erfahrungen auf wunderbare Weise. Wichtig ist ihr die «Beweglichkeit», also der interdisziplinäre Austausch ihrer Studenten.

Egal was man schreibt, es ist immer ein kreativer Prozess

Doch was sind die Bedingungen, um überhaupt kreativ zu sein? Yanne Balzer weiss, Kreativität braucht Freiraum und Kontinuität. Letzteres lernte sie bereits früh durch das tägliche Klavierüben. Den Freiraum schafft sie sich selber. «Ich nehme mir die Freiheit, bereits am Freitag ins Wochenende einzusteigen, damit Raum für mein eigenes Schreiben bleibt», verrät sie. Früher schrieb sie Poesie, heute ist es Fiction. Oder eben eine Mischung aus beidem, kombiniert mit einem «magischen» Hang zum Realismus.

Auf ihre Zukunftspläne angesprochen, anwortet Yanne Balzer mit typisch rheinischem Frohsinn, dessen Begleiter stets der rheinische Fatalismus sei: «Et kütt, wie et kütt.»

Gute Schreibe ist im Journalismus wie in der PR gefragt

Gute Schreibe ist im Journalismus wie in der PR gefragt

Weiss ein Journalist mehr zu erzählen als ein Corporate Writer? Marcel Niedermann beantwortet diese Frage. Er befasste sich früher in Agenturen mit PR-Texten, jetzt schreibt er als Journalist für die breite Öffentlichkeit.

Text Akademie: Marcel Niedermann, Sie haben früher als PR-Berater gearbeitet, heute sind Sie Journalist fürs Schweizer Radio und Fernsehen in St. Gallen. Wie war für Sie der Wechsel vom PR-Berater zum Journalisten?

Marcel Niedermann: Ich bin ein politischer Mensch, der sich für wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge interessiert. Deshalb war für mich irgendwann einmal klar: Das kann ich in der ganzen Breite nur als Journalist ausleben. Die Themen, über die ich als Journalist berichte, sind aktuell und beschäftigten die Menschen. Als PR-Berater sind die Botschaften häufig nur für eine klar abgegrenzte Zielgruppe relevant. Und sie sind einseitig, da der Absender ja seinen Standpunkt vermitteln will.

Text Akademie: Wo ist das Geschichtenerzählen wichtiger: im Journalismus oder in der PR?

Marcel Niedermann: Bei beiden Berufsbildern ist ein Sensorium für Geschichten gefragt. Im Vergleich zur PR-Branche, in der man häufig Branchenthemen vertieft, sind im Journalismus Zusammenhänge, ein Gespür dafür, was die Menschen umtreibt und vor allem viel Neugier gefragt. Dieses Gespür braucht der Corporate Writer allerdings auch. Kurz gesagt: Gute Schreibe unterscheidet sich kaum – egal ob für PR-Publikationen oder Journalismus.

Text Akademie: Welche Herausforderungen im Schreibhandwerk haben Sie als PR-Berater gemeistert, die es in Ihrem heutigen Job als Journalist nicht mehr gibt?

Marcel Niedermann: Als Journalist bleibe ich sachlich neutral, ausser bei Kommentaren, wo die eigene Meinung explizit gefragt und entsprechend auch deklariert ist. PR-Texte dienen einer Absicht, und zwar derjenigen des Absenders. Sie sind einseitig geprägt. Ein weiterer Unterschied ist die inhaltliche Tiefe. Ein PR-Berater wird bestenfalls zum Wissensträger bei einem bestimmten Thema. Entsprechend tief arbeitet er sich ein. Als Journalist erfasst man ein Thema in seiner Breite und legt die unterschiedlichen Positionen dar.

Text Akademie: Aus der Sicht eines Journalisten: Welche schreiberischen Raffinessen vermissen Sie in den Texten der Corporate Communication?

Marcel Niedermann: Ich glaube, dass es sehr viele geschickte Corporate Writers in der Unternehmenskommunikation gibt. Dies hat auch damit zu tun, dass Unternehmen stark in gute Leute investieren. Zunehmend arbeitet die Unternehmenskommunikation auch mit Bewegbild – das heisst Videos. Bei den dazugehörigen Sprechtexten höre ich oft noch Mängel.