Geistesblitz im Gummiboot

Geistesblitz im Gummiboot

Der Wunsch, Geschichten zu erzählen, reifte in Stefan Scherrer bereits früh. Als Layouter beschäftigte er sich aber erst einmal damit, Texten eine Form zu geben. An seinen Traumberuf Texter wagte er sich erst spät und nach einigen beruflichen Umwegen. Und nach einem Geistesblitz im Gummiboot.

Auf der schönen, grünen Aare führte Stefan Scherrer, der gelernte Schriftsetzer, Touristen von Thun nach Bern. Tourenguide auf dem Schlauchboot – ein cooles Abenteuer, aber nicht seine Bestimmung. Aber vom Schreiben leben, das wär was. Ernsthaft daran zu denken, wagte er jedoch kaum. Irgendeinen Weg musste es aber geben, Texter zu werden.

Kaum hatte er den Gedanken vom Traumberuf Texter laut ausgesprochen, verwies ihn ein Freund an einen Bekannten. Bevor der Suchende weiter nachdachte, hatte er seinen ersten Auftrag. Inserate, grossflächige, für die SBB. Manchmal geht es schnell im Leben.

Oft will gut Ding Weile haben. Dem Senkrechtstart folgte eine Zeit, in der es harzte. Aktiv neue Aufträge zu suchen, das widerstrebte dem Neotexter. Dafür war er von seinen Qualitäten zu wenig überzeugt. Zu sich selbst sagen, «ich bin gut, ich kann das», braucht Mut: «Es war ein jahrelanges Nagen, ich nahm jeden Auftrag an, den ich irgendwie kriegen konnte.» Noch nicht der Traumjob oder nur selten, letztlich lohnten sich aber der Durchhaltewille und seine Selbstdisziplin.

Die anfänglichen Selbstzweifel wurden kleiner. Irgendwann überwand er sie. «Texte, die sich flüssig lesen und schnell auf den Punkt kommen, kommen an», diese Überzeugung fehlte nie. Die Komplimente häuften sich. «Je positiver die Rückmeldungen ausfielen, desto mehr wagte ich. Je mehr ich mich auf die Äste hinausliess, desto mehr freuten mich die Rückmeldungen meiner Kunden», beobachtet er die Dynamik rückwirkend.

In der Haut eines anderen

Besonders gerne versetzt sich Stefan Scherrer in die Rolle anderer Personen, als Ghostwriter. Eine Rede für einen CEO schreiben, sich vorstellen, wie der vor seinem Publikum steht und redet. Das hat seinen besonderen Reiz. Fast, wie wenn man in die Haut eines anderen schlüpft. Das Publikum soll eine gute Zeit haben, seine Aufmerksamkeit soll sich lohnen. Egal, was das Thema der Rede ist.

Schreibstau kennt Stefan nicht. «Sonst hätte ich zu wenig recherchiert oder der Plan wäre noch nicht ausgereift». Deshalb steckt er in die Vorbereitung viel Zeit. Das eigentliche Schreiben ist dann das Dessert. Dem Kunden gut zuhören, das ist das Erste gewesen, was er in seiner Selbstständigkeit gelernt hat. Das Briefing sehr genau durchlesen. Wenn es sein muss sieben Mal oder noch öfter. Für die Grundstruktur des Textes setzt er auf die Fünf-Finger-Technik, wie sie die Schweizerische Text Akademie lehrt: Dann folgt der Text maximal fünf Aussagen, die logisch aufgereiht und verständlich formuliert sind.

Gefragt sind spürbare Unterschiede

Die Zukunft des Texterberufs sieht Stefan Scherrer sehr positiv. «Grundsätzlich mache ich mir da keine Sorgen», lacht er. Im Markt kristallisiert sich die Erkenntnis heraus, dass professionelle Texte einen spürbaren Unterschied bewirken. Der Druck auf die Unternehmen hat sich erhöht. Die Zeiten sind vorbei, in denen Textarbeiten bequem der Lehrtochter überlassen werden. Ein guter Texter holt aus dem Thema mehr heraus.

Es lohnt sich auf jeden Fall, das Handtuch nicht sofort zu werfen, wenn nicht alles gleich von Anfang an läuft wie geschmiert. Das gilt auch für das Schreiben, wie das Beispiel von Stefan Scherrer zeigt. Gerade dann, wenn es streng wird, ist das Ziel oft greifbar nahe.

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