Kreativität braucht Freiraum

Kreativität braucht Freiraum

«Es könnte gut sein, dass das Schreiben die eigentliche Ausdrucksform meiner Kreativität ist», sagt Yanne Balzer. So genau lässt sich das gar nicht sagen, denn eine Reduktion auf das Schreiben würde ihr bei Weitem nicht gerecht.

Selbst die Auswahl ihrer Reiseziele ist für Yanne Balzer ein künstlerischer, fast schon mystischer Akt. Aus einer Sammlung von Gehörtem und Gesehenem leitet sie ihre Ziele ab, um sich dann wiederum fotografisch auszudrücken. Die Künste begleiten die Schreibwerkstatt-Absolventin schon ihr ganzes Leben. Sei es am Theater, in grafischen Werkstätten, in einer Kunstgalerie oder in der Musik-, Event- und Medienbranche. Sie traf auf Persönlichkeiten wie Snoop Dogg oder den legendären Paul Bowles, mit dem sie eine wundervolle Zeit verbringen durfte. Als Tour-Managerin war sie mitverantwortlich für den Durchbruch von Künstlern wie zum Beispiel Coldplay.

Von der Notlösung zum Kult

Besonders prägend waren für Yanne Balzer jedoch die Gründerjahre beim VIVA-Musikfernsehen. «Völlig ins kalte Wasser geschmissen, fabrizierten wir so hübsche kleine Kurzfilme», erzählt sie. Das Ziel war allen klar, doch der Weg war jedem selber überlassen. Es gab wenig Hierarchie, dafür umso mehr Energie. Nur so konnten sich Dinge, die eigentlich aus der Not geboren wurden, zum regelrechten Kult entwickeln. Zum Beispiel die verfärbte Wackelkamera. Diese freie Art zu denken und zu arbeiten konnte sich die Kölnerin bewahren.

Heute ist Yanne Balzer Leiterin der Fachstelle Lehre an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). In ihrer dortigen Schnittstellenfunktion zwischen fünf verschiedenen Departementen und Kulturen widerspiegeln sich all ihre bisherigen Erfahrungen auf wunderbare Weise. Wichtig ist ihr die «Beweglichkeit», also der interdisziplinäre Austausch ihrer Studenten.

Egal was man schreibt, es ist immer ein kreativer Prozess

Doch was sind die Bedingungen, um überhaupt kreativ zu sein? Yanne Balzer weiss, Kreativität braucht Freiraum und Kontinuität. Letzteres lernte sie bereits früh durch das tägliche Klavierüben. Den Freiraum schafft sie sich selber. «Ich nehme mir die Freiheit, bereits am Freitag ins Wochenende einzusteigen, damit Raum für mein eigenes Schreiben bleibt», verrät sie. Früher schrieb sie Poesie, heute ist es Fiction. Oder eben eine Mischung aus beidem, kombiniert mit einem «magischen» Hang zum Realismus.

Auf ihre Zukunftspläne angesprochen, anwortet Yanne Balzer mit typisch rheinischem Frohsinn, dessen Begleiter stets der rheinische Fatalismus sei: «Et kütt, wie et kütt.»

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