Schweizerische Text Akademie Posts

Noah Zygmont: «TikTok macht ziemlich schnell süchtig»

Text Akademie: Mark Zuckerberg hat seinen Konzern Facebook, zu dem auch Instagram gehören, bekanntlich in «Meta» umgetauft. Nun hat Meta einen gigantischen Absturz an der Börse erlebt. Was hat dies mit TikTok zu tun?
 
Noah Zygmont: Zuckerberg sagt selbst indirekt in Interviews, dass die Konkurrenz «Vollgas gibt. TikTok hat einen Nerv getroffen, den Facebook – damals zu den Gründungszeiten – auch traf. Die Generation Z ist wild darauf, neue Plattformen kennenzulernen und ist schon längst nicht mehr auf Facebook zuhause.
 
Was macht TikTok besser als beispielsweise Instagram?
Noah: TikTok hat einen sehr speziellen Algorithmus, der dazu führt, dass man ziemlich schnell süchtig nach der App wird. Die Kreativität hat ausserdem keine Grenzen, was die Userinnen und User lieben! TikTok hat viel mehr Content, da ist für jeden was dabei und du kannst vom Nobody zum Superstar aufsteigen. Dagegen basiert bei Instagram vieles auf Followern und wenn du diese nicht hast, bleibst du unter dem Radar.
 
Ist es nicht so, dass TikTok einfach das Beste aus allen grossen Social-Media-Plattformen kopiert und erfolgversprechend kombiniert hat?
Noah: Ich würde behaupten, dass das Gegenteil der Fall ist. TikTok hat mit den Kurzvideos und mit dem App-Layer ein ziemlich eigenes Ding aufgezogen. Eher Meta ist für mich der Kopierer: Storys von Snapchat, Reels von TikTok, Karussell-Posts von Pinterest.
 
Wie hat Instagram bisher auf den unerwarteten Erfolg von TikTok reagiert?
Noah: Instagram hat ziemlich rasch die Instagram-Reels eingeführt, mit denen sie TikTok ernstzunehmende Konkurrenz machen wollen. Ansonsten ist die Instagram-App nach wie vor klassisch aufgebaut, wie es damals schon der Fall war. Ich kann mir allerdings gut vorstellen, dass da noch das eine oder andere kopiert werden könnte.
 
Was sind so genannte «Reels»?
Noah: Reels sind TikToks für Instagram. In einer gewissen Sondersektion kann man maximal 1-minütige-Videos anschauen, die etwas kreativer aufbereitet sind als normale Feed-Posts. Reels sind zudem praktisch das einzige Feature, mit dem man auf Instagram rein organisch noch wachsen kann.
 
Warum sind ausgerechnet solche Kurzvideos so erfolgreich?
Noah: Die Aufmerksamkeitsspanne der Generation Z wird immer kürzer. Sie will innert kürzester Zeit mit dem besten Content versorgt werden und neue Videos entdecken. Dass Kurzvideos schon früh auf viel Anklang stiessen, zeigte sich bereits bei Vine, die ein ähnliches System hatte wie TikTok zur Startphase. Kurz, knapp, viel und sehr kreativer Content. Keine Standbilder, keine langen Dokumentationen.
 
Gibt es einen Unterschied zwischen den Instagram «Reels»-Videos und den Kurzvideos von TikTok?
Noah: Im wesentlichen Kern eigentlich nicht. Eher in der direkten Umsetzung, respektive beim Upload. TikTok sind mittlerweile bis zu 10 Minuten lang. Reels maximal 1 Minute.
 
Wo ist nach wie vor Instagram führend?
Noah: Instagram hat bis jetzt sicherlich immer noch die höhere Nutzerzahl als TikTok. Auch was den Bereich der Monetarisierung angeht, sehe ich Instagram nach wie vor vorne, wobei TikTok dort rasant aufbaut und zu Beginn des Jahres einige Highlights diesbezüglich präsentierte. Instagram ist sicherlich für Bilder nicht aus dem Netz wegzudenken und auch für bestehende Influencer/Creator nach wie vor eine sehr wichtige Plattform.
 
Wo hat TikTok die Nase vorn?
Noah: TikTok ist kreativer, authentischer, weist das stärkere Wachstum punkto Nutzerzahlen auf und steht noch am Anfang. TikTok hat insofern viel mehr Möglichkeiten, um die App noch attraktiver zu machen und neue Features zu integrieren. Was zum jetzigen Zeitpunkt ebenso für TikTok spricht: Es lassen sich viel schneller viel höhere Reichweiten erzielen, auch wenn man bis jetzt noch keine Videos selber produziert hat. UND: man kann viel eher die junge Zielgruppe damit erreichen.
 
Wer nutzt vor allem Instagram?
Noah: Die Hauptzielgruppe ist zwischen 24-35 Jahren alt. Man merkt stark, dass sich die Facebook-Nutzer langsam für Instagram entscheiden und so wird das Durchschnittsalters sicherlich bald noch höher.
 
Wer nutzt vor allem TikTok?
Noah: Die Generation Z ist zum jetzigen Zeitpunkt die grösste Zielgruppe auf der Plattform. 69% aller Userinnen und User sind unter 25 Jahre alt und mehr als die Hälfte ist sogar unter 35 Jahre alt. Entsprechend ist die Zielgruppe noch ziemlich jung.
 
Auf was muss sich das Marketing konzentrieren, wenn die meistens Kunden auf Instagram / TikTok unterwegs sind?
Noah: Ich glaube, dass man als Marke keine Plattform ausschliessen soll. Die Mischung macht den Unterschied. Auf beiden Plattformen erreicht man unterschiedliche Personen, mit unterschiedlichen Kaufentscheidungen. Auf Instagram hat man womöglich noch eher jene Personen am Start, die das Geld eher in die Hand nehmen wollen, um etwas zu kaufen. Auf TikTok hingegen hat man den Nachwuchs und animiert durch Trends wie #TikTokMadeMeBuyIt die Userinnen und User dazu, ein Produkt auf einer anderen Seite als auf TikTok zu kaufen. Der Einfluss ist entsprechend viel grösser und authentischer.
 
Das Interview mit Noah Zygmont gibt es auch als Podcast in unseren Social Media und auf Vimeo.

Geschichten, die Geschichte machen …

Geschichten, die Geschichte machen …

Storytelling wird gerne auf ein Instrument von Content Marketing und Brand Journalism reduziert. Dabei geht rasch vergessen, wie stark Narrative grundlegende Entscheidungen prägen und damit unsere gesellschaftliche Zukunft beeinflussen. Anschauungsbeispiele liefert die Wirtschaftsgeschichte.

In einem Interview in der NZZ vom 26. Januar 2022 illustrierte Nobelpreisträger Robert J. Shiller, wie stark Geschichten den Lauf der Wirtschaft beeinflussten (1). Dabei zog er klare Parallelen zur Gegenwart: «Die Geschichte von der Inflation ist schon sehr alt. Welche Bedeutung sie haben kann, sieht man an Deutschland. Dort kam es 1923 zu einer Hyperinflation. Die Erinnerung wirkt bis heute nach, die Deutschen sind immer noch stärker gegen Inflation eingestellt als die Bürger anderer Länder». Die Frage sei dabei, so Shiller, ob dieser «Erzählzyklus» in den nächsten Monaten wieder zum Leben erweckt werde.

«Narrative Economics»

Robert J. Shiller weiss, wovon er spricht. 2019 erschien sein einflussreiches Buch «Narrative Economics: How Stories Go Viral and Drive Major Economic Events». Darin beschreibt Shiller seinen Forschungsgegenstand wie folgt (S. 3, in deutscher Übersetzung): «Ein wirtschaftliches Narrativ ist eine ansteckende Geschichte, die das Potenzial hat, die Art und Weise zu verändern, wie Menschen wirtschaftliche Entscheidungen treffen: z.B. die Entscheidung, einen Arbeitnehmer einzustellen oder auf bessere Zeiten zu warten, sich im Geschäft zu engagieren oder vorsichtig zu sein, ein Unternehmen zu gründen oder in einen volatilen spekulativen Vermögenswert zu investieren.» Als aktuelles Beispiel nennt Shiller die verlockende Bitcoin-Saga: eine Erzählung von inspirierten jungen Menschen, die im Gegensatz zu uninspirierten Bürokraten mittels fortschrittlicher Informationstechnologie und einer Prise Geheimnis das verkrustete Finanzsystem aufbrechen und gerechter machen wollen.

Die Grosse Depression

In seiner Forschung befasst sich Robert J. Shiller gerne mit der schädlichen Wirkung ökonomischer Erzählungen. So etwa während der Grossen Depression in den USA der 1930er Jahre: Damals habe sich das Narrativ der technologischen Arbeitslosigkeit durchgesetzt, wonach Maschinen unwiderruflich Arbeitsplätze ersetzten. Dies habe die Menschen veranlasst, ihre Investitionsausgaben und den Konsum einzuschränken. Gleichzeitig sei in den Köpfen der Menschen die Vorstellung gewachsen, in den 1920er Jahren auf zu grossem Fuss gelebt zu haben – und nun zu Werten wie Religiosität, Bescheidenheit und Mitgefühl zurückfinden zu müssen.

Die Macht von Erzählungen brechen

Aus heutiger Sicht heizten derartige Narrative die Grosse Depression erst recht an. Doch wie lassen sich solch schädliche Narrative aufhalten? – Den richtigen Weg beschritt US-Präsident Franklin Delano Roosevelt. Er richtete in seinem ersten Kamingespräch im März 1933 einen Appell an die Bevölkerung. Seine Mitbürger sollten bei der Wiedereröffnung der Banken nicht mehr Geld abheben, als sie benötigten. Wer sich nicht daran halte, verfüge über kein soziales Bewusstsein und schädige willentlich die Wirtschaft. Roosevelt entwickelte damit das ursprüngliche Narrativ weiter, wobei er sich weiter auf dessen Hauptmotiv – die Rückkehr zu Moral und Werten (s.o.) – stützte. Das probate Mittel, die Macht von Erzählungen zu brechen, lautet deshalb: Schreibe eine überzeugende Fortsetzungsgeschichte …

Quelle: 1: https://www.nzz.ch/finanzen/shiller-zu-tech-aktien-inflation-crash-gefahr-und-bitcoin-ld.1666342.

Digital Content-Trends 2022 –  die wichtigsten Prognosen im Vergleich

Digital Content-Trends 2022 – die wichtigsten Prognosen im Vergleich

Regelmässig werden wir zu Jahresbeginn mit unzähligen Prognosen zur Entwicklung der sozialen Medien überhäuft. Da fällt es nicht einfach, die Übersicht zu bewahren. Wir haben immerhin fünf Trends erkannt, die allen prominenten Vorhersagen gemeinsam sind.

Einmal mehr prasseln zu Beginn dieses Jahres Trendprognosen ein: Welche Digital Content-Trends sind angesagt? Welche Kanäle sind die nächsten Social Media-Einhörner? – Dumm nur, dass man angesichts der vielen Bäume (sprich: Prognosen) rasch den Wald (nämlich das grosse Ganze) aus den Augen verliert. Wir haben uns deshalb drei prominente Prognosen vorgenommen und darin fünf wesentliche Trends erkannt. (1)

Trend 1: TikTok gibt den Takt vor

Kein Zweifel, dass TikTok 2022 weiterhin an Bedeutung gewinnt. Denn das chinesische Netzwerk macht (fast) alles richtig: ein fairer Algorithmus, eine tolle Usability, die perfekte Anpassung an das mobile Nutzerverhalten … Kein Zweifel: TikTok wird den Trend zu Kurzvideos im Hochformat weiter beschleunigen.

Trend 2: Social Commerce wird endlich wahr

Social Commerce wird seit bald einem Jahrzehnt herbeigeredet, doch nun scheint seine Zeit endlich gekommen … Einzige Voraussetzung: Die Kaufhandlung sollte ganzheitlich innerhalb einer App möglich (In-App-Shopping) und natürlich von Content begleitet sein. Instagramms «Jetzt kaufen»-Schaltfläche macht vor, wie einfach die Kundenreise der Zukunft sein könnte.

Trend 3: Social Audio ist immer beliebter

Spätestens 2022 sollten Unternehmen in Audio-Content investieren. Denn Podcasts oder Audio-Liveformate auf Clubhouse, Twitter Spaces und künftig allenfalls Facebook (?) bleiben bei den Nutzern hoch im Kurs.

Trend 4: Influencer-Content wird erwachsen

Die Pandemie hat den Trend des Influencer-Marketings zu „ungefilterten“ Inhalten beschleunigt. Beliebt sind „Persons like me“, die Produkte spontan-authentisch präsentieren und sich damit erfrischend von den inszenierten Beiträgen der Influencer der ersten Generation abheben.

Trend 5: Ohne Vertrauensaufbau und Social Listening geht nichts

Die Zukunft ist frei von Cookies – zumal Google das Tracking von Drittanbieter-Cookies 2023 abschafft. Unternehmen sind daher künftig darauf angewiesen, dass Leads ihnen freiwillig Daten überlassen. Hierzu müssen sie erstens bei Fragen wie Datensicherheit, Nachhaltigkeit usw. eine klare Haltung an den Tag legen und öffentliches Vertrauen erwerben; und zweitens über Social Listening stetig informiert sein, wo bei ihren Kunden der Schuh drückt.

Quelle: (1) (die gesichteten Prognosen): https://t3n.de/news/social-media-trends-2022-1438972/, https://blog.hootsuite.com/de/social-media-trends/ sowie https://www.talkwalker.com/de/social-media-trends.

Professional Writing Workshop – Tipp 1: Abstrakte Begriffe

Schreiben für die Corporate Communication, die Social Media und den Journalismus ist ein Handwerk. In unseren Professional Writing Workshops (früher Schreibwerkstatt) erarbeiten Sie sich das Fundament dieses Handwerks. Dazu haben wir ein wissenschaftliches Trainingsprogramm entwickelt, in dessen Zentrum die Textverständlichkeit steht: Leserfreundlichkeit, Logik, Präzision und sprachlicher Anreiz.

Professional Writing Workshops in Zürich, Bern und im Fernstudium: ab 22. und 23. April 2022 in Zürich.

Information und Anmeldung:

info@textakademie.ch / 044 445 19 35

Die beliebteste CH-Schreibausbildung mit Geld-zurück-Garantie

Die beliebteste CH-Schreibausbildung mit Geld-zurück-Garantie

Klar, Superlative wie «beliebteste» ziemen sich nicht für eine Schreibausbildung wie den Professional Writing Workshop. Denn Profischreiber setzen Adjektive sparsam ein. Und Superlative? Die sind eigentlich verboten. Doch in diesem Fall hier könnte die «Ausnahmeregel» gelten. Schliesslich gibt es diese Schreibausbildung seit 1998 mit über 140 Austragungen und 2’500 Absolventinnen.
 
«Gude Laune» dank Geld-zurück-Garantie
 
Der Professional Writing Workshop (früher «Schreibwerkstatt») ist auch die einzige Ausbildung der Schweiz, die eine Geld-zurück-Garantie anbietet. Somit geht niemand ein Risiko ein. Auch du nicht! Das soll auch so sein. Denn alle, die sich eine Zukunft im professionellen Texten, Schreiben oder Redigieren wünschen, sollen ihre ersten Schritte sorgenlos wagen dürfen. Somit ist das Kursgeld von CHF 2’199.- nie verlorenes Geld. 
 
Neu mit Diplomabschluss
 
Der Professional Writing Workshop schliesst du neu mit einer Diplomprüfung ab. Das heisst, nach den ersten vier Tagen mit Prof. Dr. Ivo Hajnal und Andri Perl. Anschliessend folgt wie immer der Creative Writing Workshop mit Simon Libsig. Insgesamt dauert der Professional Writing Workshop fünf ganze Tage plus E-Class-Übungen und Pflichtlektüre.

Andri Perl ist Texter und Schriftsteller, Träger des Bündner Literaturpreises und Schweizer Rapmusiker.
Vier Vertiefungen möglich
 
Dein Diplomlehrgang lässt sich jederzeit mit vier Vertiefungen ergänzen:
 
Vertiefung 1: Schreiben für Digital Content Marketing und Storytelling
Vertiefung 2: Texten für SEO und Google Ads
Vertiefung 3: Digitales Texten für Web und Social Media
Vertiefung 4: Texten für User Experience (UX Writing)
 
Hier gelangst du zu den Terminen der Vertiefungskurse.

Dozenten-Team mit Top-Textern und Schriftstellern
 
Zum Dozenten-Team gehören Universitäts-Prof. Dr. Ivo Hajnal und der Texter und Schriftsteller Andri Perl. Der Creative Writing Workshop leitet Simon Libsig, Wortkünstler und Slam-Poet. Hier ein Beispiel von Simon: Comedy aus dem Labor – Simon Libsig
 
Termine, Ort, Dauer, Kursgeld
 
Start-Termine: Freitag 22. April und Samstag 23. April.
Ort: Im Direktunterricht vor Ort im Technopark Zürich – oder via Live Stream von zu Hause aus.
Auch im Teil- oder Vollzeit-Fernlehrgang möglich.
 
Dauer: 5 Direktunterrichtstage, 120 Lektionen, 4 ECTS Workload.
Kursgeld: CHF 2’199.-; auch in zinslosen Monatsraten zahlbar.
Simon Libsig ist Buchautor und Poet. Er bezeichnet sich auch als Wortfechter, Satz-Konstrukteur und Story-Ingenieur.
Weitere Informationen:
Website Professional Writing Workshop
Broschüre Professional Writing Workshop
Studiendaten 2022
PORTFOLIO, unser Magazin für digitalen Content