Ein Magazin auf Diät

Ein Magazin auf Diät

«Hier kommt dann die Grafik hin, wie ihr seht. Wahrscheinlich müssen wir sie noch etwas vergrössern. Was meinst du?», fragt Redaktionsleiterin Tina Hafen und schaut zum Grafiker. Er nickt kurz: «Das ist so wohl schon gross genug. Schau’s mir aber noch genau an.» Tina lächelt. Drückt die Pfeiltaste. Wusch! Und weiter geht’s.

Das kleine Redaktionsteam und der Grafiker haben sich im Aufenthaltsraum der Schulverwaltung Egg versammelt. Die Sonne scheint durch die Storen. Die Augen sind konzentriert auf den Laptop gerichtet. Folgen Tinas Erläuterungen. Heute ist Abgabe des Schulmagazins «éggole» an den Grafiker.

«Den Artikel über die Sicherheit und den Einsatz von Kameras in Schulen mussten wir – obwohl ich bereits alles geschrieben hatte – weglassen.» – «Warum denn?» – «Die Schulpflege muss die Videoüberwachung zuerst noch rechtlich absichern», antwortet Tina. Aber sie wirkt gelassen. Vielleicht kann sie den Artikel ein anderes Mal verwenden. Jetzt hat dafür der Artikel vom Jugendbeauftragten der Gemeinde Egg Platz. «Im neuen Artikel schreibt der Jugendbeauftragte über die Medienbildung an den Schulen», erzählt Tina. Die Runde nickt zufrieden. Das Thema passt.

Wieder eine Seite weiter. Tina erklärt mit ruhiger Stimme, welchen Artikel und welche Bilder wo zu platzieren sind. «Hmm, das würd ich grösser machen und etwas weiter unten positionieren», wirft der Grafiker ein. Tina nickt. Vertraut auf die Kritik vom Grafiker. Dabei weiss auch sie genau, was sie tut. Sie hat lange Zeit als Journalistin gearbeitet und das «CAS Corporate Publisher – Corporate Media» absolviert. Ein Indiz dafür findet man auf dem Redaktionsprogramm vom «éggole». Jede Seite hat eine Rubrik «Funktion». Sie erklärt, welchen Zweck – eben Funktion – der Artikel hat. Das meiste gehört zur «Konstruktion». Beim Entscheid der Schulraumplanung geht es logischerweise um Legitimation und Prävention. Die Schule muss transparent zeigen, warum ein Entscheid gefallen ist, und erklären, weshalb die Lösung bevorzugt wurde.

Letzte Seite. Und husch! Die Sitzung ist vorbei. Nach diesen kurzen 20 Minuten ist der Grafiker gebrieft und die Leute verlassen den Raum. Schnell, schnell nach Hause. Es ist schliesslich Gründonnerstag. Ostern steht vor der Türe. Tina bleibt sitzen. Räumt ihre Sachen zusammen. «Ja, ich weiss. Das ging schnell. War schon immer so. Aber das Heft wurde zusätzlich noch zu einer Diät gezwungen», erklärt Tina. Ob sie das stört? «Der Spardruck? Nein. Das ist halt so. Das Heft wird deswegen nicht schlechter, wir müssen immer einen klaren Fokus haben. Das publizieren, was unsere Gemeinde interessiert. Jetzt mit weniger Seiten», meint Tina. Beginnt zu lachen und sagt kichernd: «Auf den Sommer hin wollen ja sowieso immer alle abnehmen. Unser Magazin macht da mit! Man sollte doch immer offen sein für neue Trends, oder?!»

Text: Nora Haider

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