Wort für Wort zum Erdbeertörtli

Wort für Wort zum Erdbeertörtli

Werdgässchen 23. Mit Wegbeschreibung ist das Büro von Sabine Hunziker prima zu finden. Nach einem kurzen Klingeln öffnet sich bereits die Türe und Sabine steht vor mir. Sie ist eine zierliche – und wie ich bald merke – energische Frau. Trägt einen dunkelblauen, locker fallenden Overall mit pink-orangen Sneakers. Leger und doch elegant.

«Komm rein!», fordert mich Sabine auf. Führt mich den Gang entlang in ihr Büro. Es ist klein. Zwei Schreibtische stehen drin, ein grosser Drucker und ein riesiges Bücherregal. Hier textet, schreibt, konzipiert und berät Sabine die Kunden ihrer Ein-Frau-Agentur «Textkantine für Corporate Publishing». Mal für die Swisscom; dann für eine Zuger Immobilienfirma; für das nationale Programm «Jugend und Medien»; für die Bank Julius Bär – oder für Tamedia. Alles mit Lust und Witz – immer sehr professionell.

Heute hat sie Gesellschaft. «Das ist Romeo – mein Mann», sagt Sabine bestimmt. Die Betonung des Namens liegt im Übrigen auf dem «eee». Er leistet ihr gerne Gesellschaft, wenn er lernen muss. Romeo hat sich entschlossen, nochmals eine Ausbildung zu beginnen. Das Ziel: Primarlehrer.

Das Ziel von Sabine? Zwei Kunden anrufen. Das Manuskript für die bevorstehende Sitzung kontrollieren. E-Mails beantworten. Eine Website überprüfen. Und «abfüllen». Und das alles in den nächsten 30 Minuten. Bei der Frage, ob sie viel zu tun hat, lacht sie auf. «Ja, habe ich. Eigentlich immer ein bisschen zu viel. Aber ich liebe meine Arbeit. Sie macht mir Spass. Daher gefällt es mir so, wie es ist», sagt sie.

Eine halbe Stunde später sind Sabine und ich auf dem Weg zur Webagentur, mit der sie eine neue Website für einen Immobilienmakler entwickelt. Sabine ist für die Texte verantwortlich. Alle Texte müssen neu verfasst werden. Sabine lächelt. «Es ist ein aussergewöhnlicher Kunde. Ich erarbeite mit dem Geschäftsführer die neuen Texte – Wort für Wort», erklärt sie mir. Das sei zwar ungewöhnlich, aber sehr spannend, vor allem weil es ein angenehmer Kunde sei, erzählt Sabine weiter.

Dann sitzen wir in der Webagentur – im offenen Sitzungszimmer. Es ist hell. Grosse Fenster. Schönes Licht von draussen. Sofort wird der Laptop an den Strom gesteckt. Sabines Manuskript an die Wand gebeamt. Das bietet eine perfekte Übersicht für alle und erspart das Ausdrucken für die Teilnehmenden. Das Manuskript wird Seite für Seite besprochen. Vor allem Michael und Stefan von der Webagentur und der Projektleiter der Immobilienfirma sind voll im Schuss. «Wart. Wart. Nochmals eine Seite zurück. Wo muss diese Seite hin?», fragt Michael. Blätter rascheln. Unterlagen werden gesucht. «Hier, schau die Übersicht. Gehört unter die Home-Seite. War bei der letzten Version noch anders», erwidert der Herr von der Immobilienfirma. Die Sitzung dreht sich vor allem um die Gestaltung, den Aufbau der Website. Ab und zu meldet sich Sabine mit einem Input, sagt, was zu beachten ist: «Nein, das ist die Spitzmarke. Das Untere – Fettgeschriebene – ist der Titel.» Stefan lacht. «Ach, stimmt ja. Das hast du ja bereits zu Beginn erklärt.» Und schon geht es weiter. Seite für Seite.

Zurück in Sabines Büro: Wo ist Romeeeo? Da rufts von hinten im breiten Bündner-Dialekt: «Zviari?» Und schon kommt Romeo um die Ecke. Mit Erdbeertörtli! Nun wird gegessen. In Sabines Küche – Pardon, «Kantine». Die ist ausgestattet mit einem alten, vergilbten Holztisch – «very Vintage» halt. Dazu gibts Kaffee und Gesellschaft der Mitmieter von Sabine. Sie sind zu dritt in dieser «Bürowohnung». Das Leben als Corporate Publishing-Fachfrau könnte gerade nicht schöner sein.

Text: Nora Haider

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